Aktuelles
Miteinander, Füreinander – Sinti und Roma gestalten Gesellschaft
Liebe Freundinnen und Freunde,
seit längerer Zeit bewegt uns ein Gedanke, der für mich persönlich immer mehr zu einer Herzensangelegenheit geworden ist.
Gerade die Auseinandersetzung mit der Antiziganismus-Strategie der Stadt Hamburg hat uns noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt, wo wir stehen – aber vor allem auch, wohin wir gehen wollen.
Für mich persönlich, als Erster Vorsitzender des Sinti-Vereins zur Förderung von Kindern und Jugendlichen e. V., zeigt sich eine besonders schmerzhafte Form des Antiziganismus dort, wo Sinti und Roma nicht zugetraut oder nicht zugestanden wird, mit ihren Erfahrungen, ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen einen wichtigen Beitrag für die gesamte Gesellschaft leisten zu können.
Denn wir sind nicht nur Menschen, denen geholfen werden muss.
Wir sind Menschen, die helfen können.
Wir haben Wissen. Wir haben Erfahrung. Wir haben Kompetenzen. Wir haben über viele Jahre Strukturen aufgebaut und gelernt, Menschen zu erreichen, Vertrauen zu schaffen, Brücken zu bauen und Perspektiven zu eröffnen.
Und genau dieses Wissen möchten wir teilen.
In der Vergangenheit richteten sich viele Projekte – aus guten und nachvollziehbaren Gründen – in erster Linie an unsere eigene Community. Das war wichtig, das ist in vielen Bereichen weiterhin notwendig und wird auch zukünftig seinen berechtigten Platz haben. Menschen müssen dort abgeholt werden, wo sie stehen. Schutzräume, Vertrauen und zielgruppenspezifische Angebote können dafür unverzichtbar sein.
Aber irgendwann muss aus einem Schutzraum auch eine Brücke werden.
Und wir glauben, dass jetzt die Zeit gekommen ist, diese Brücke zu bauen.
Wir möchten an unserem Standort in Hamburg einen neuen Weg einschlagen und die Angebote unseres Vereins Schritt für Schritt für alle Menschen öffnen.
Unser Gedanke dahinter ist eigentlich ganz einfach:
Sinti und Roma helfen allen Menschen.
Nicht Herkunft soll darüber entscheiden, wer von unserem Wissen, unserer Erfahrung und unserer Unterstützung profitieren darf. Entscheidend soll sein, wo ein Mensch Unterstützung benötigt und wo wir mit unseren Möglichkeiten helfen können.
Das wäre für uns nicht nur eine Erweiterung unserer Vereinsarbeit. Es wäre ein gesellschaftliches Zeichen.
Denn wirkliche Teilhabe bedeutet für uns nicht allein, dass Minderheiten Unterstützung aus der Mehrheitsgesellschaft erhalten. Wirkliche Teilhabe bedeutet auch, anzuerkennen, dass Menschen aus Minderheiten selbst Verantwortung übernehmen, Wissen weitergeben, Institutionen mitgestalten und einen wertvollen Beitrag für alle leisten können.
Genau das erleben wir bereits heute.
Unsere Kita-Bildungsbegleiterinnen und -begleiter sowie unsere Bildungsberaterinnen und Bildungsberater arbeiten als wichtige Vermittler und Brückenbauer in Schulen und Kindertageseinrichtungen. Dort erfahren wir immer wieder, wie sehr ihre Arbeit geschätzt wird – ausdrücklich auch von Menschen, die selbst keine Sinti oder Roma sind.
Diese Wertschätzung berührt uns und sie zeigt uns etwas Entscheidendes:
Unser Wissen kennt keine ethnischen Grenzen. Menschlichkeit kennt keine ethnischen Grenzen. Und Hilfe sollte sie ebenfalls nicht kennen.
Auch in anderen Bereichen erleben wir das immer wieder. Menschen kommen mit sozialen Schwierigkeiten zu uns, benötigen Orientierung, Unterstützung bei ihrer beruflichen Entwicklung oder suchen jemanden, der ihnen komplizierte Dinge verständlich und auf Augenhöhe vermittelt.
Immer wieder hören wir, wie sehr Menschen unsere Art der Begleitung und Beratung wertschätzen.
Und trotzdem müssen wir Menschen bislang teilweise sagen: Dieses Angebot richtet sich ausschließlich an Sinti und Roma.
Das fällt uns zunehmend schwer.
Denn wenn ein Mensch vor uns steht, der Unterstützung braucht, und wir wissen, dass wir helfen könnten – warum sollten wir es nicht tun dürfen?
Deshalb möchten wir etwas verändern.
Wir wollen unsere Erfahrungen aus der Community in die Gesellschaft hineintragen. Wir möchten zeigen, dass aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung, aus Herausforderungen, aus erkämpftem Vertrauen und aus unserer Bildungs- und Sozialarbeit etwas entstanden ist, von dem die gesamte Gesellschaft profitieren kann.
Das ist auch unser Verständnis von gelebter Integration und echter gesellschaftlicher Teilhabe:
Nicht nur über Sinti und Roma sprechen.
Nicht nur für Sinti und Roma handeln.
Sondern gemeinsam mit Sinti und Roma Gesellschaft gestalten.
Dafür brauchen wir jedoch Unterstützung.
Deshalb richtet sich dieser Appell ganz ausdrücklich an die Verantwortlichen in der Politik, an die Stadt Hamburg, an die zuständigen Behörden, an unsere Förderer und an alle Menschen und Institutionen, die gesellschaftlichen Zusammenhalt mitgestalten:
Bitte ermöglichen Sie uns diesen nächsten Schritt.
Helfen Sie uns dabei, bestehende Förderstrukturen und Projekte so weiterzuentwickeln, dass unser über viele Jahre erworbenes Wissen künftig nicht ausschließlich unserer eigenen Community zugutekommen darf, sondern allen Menschen, die davon profitieren können.
Sehen Sie unsere Community nicht ausschließlich als Zielgruppe von Hilfsangeboten.
Sehen Sie uns auch als diejenigen, die etwas zu geben haben.
Als Beraterinnen und Berater.
Als Bildungsbegleiterinnen und Bildungsbegleiter.
Als Vermittler.
Als Brückenbauer.
Als Menschen, die Verantwortung für diese Gesellschaft übernehmen wollen.
Vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Schritte im Kampf gegen Antiziganismus: nicht nur Diskriminierung zu bekämpfen, sondern auch das Bild davon zu verändern, welche Rolle Sinti und Roma in unserer Gesellschaft einnehmen können.
Wir möchten nicht am Rand stehen.
Wir möchten mitgestalten.
Wir möchten Verantwortung übernehmen.
Und wir möchten das, was wir gelernt und aufgebaut haben, mit anderen teilen – unabhängig davon, woher diese Menschen kommen.
Wir sind bereit, diesen neuen Weg zu gehen.
Wir hoffen sehr, dass die Stadt Hamburg, die Politik, die Behörden und unsere Förderpartner bereit sind, ihn gemeinsam mit uns zu gehen.
Denn am Ende geht es um etwas, das größer ist als ein einzelnes Projekt oder ein einzelner Verein.
Es geht um die Frage, wie wir miteinander leben wollen.
Unsere Antwort darauf lautet:
Miteinander. Füreinander. Ohne Mauern zwischen den Menschen.
Bitte unterstützt uns dabei.
Von Herzen
Euer Christian Rosenberg
Erster Vorsitzender
Sinti-Verein zur Förderung von Kindern und Jugendlichen e. V.

Entwicklung der Beratungen
Der Sinti-Verein veranschaulicht mittels Diagrammen, wie die Zahl der Beratungen und der Kunden im Sinti-Vereins zugenommen hat und welcher zusätzlicher Ressourcen es bedarf, den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden. Angesichts der kritischen Lage ist die Aufnahme zusätzlicher Berater entscheidend, um die stets steigende Nachfrage bewältigen und die Beratungsqualität halten zu können.
Teilnahme am Landesjugendhilfeausschuss Hamburg
Der Sinti-Verein war am 07.09.2026 im Landesjugendhilfeausschuss Hamburg vertreten. Für den Verein nahm Chalina Reinhard an der Sitzung teil.
Es wurden viele wichtige Themen besprochen. Ein Schwerpunkt lag auf dem Landesförderplan „Familie und Jugend“. Darüber hinaus wurden Berichte aus der Arbeit des Ausschusses vorgestellt und aktuelle Themen aus der Verwaltung besprochen.
Der Sinti-Verein schätzt den fachlichen Austausch und die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, als sehr wichtig ein und freut sich auf die weiteren Sitzungen und die gemeinsame Arbeit.
Dokumentierter Fall von Antiziganismus bei der Wohnungssuche
Der Sinti-Verein macht auf einen dokumentierten Fall aufmerksam, der deutlich zeigt, wie sich Antiziganismus und diskriminierende Vorurteile auch im Bereich der Wohnungssuche äußern können.
Im Mittelpunkt steht Kelly Laubinger, Geschäftsführerin der Sinti Union Schleswig-Holstein und Bürgerrechtlerin. Sie ist eine Sintezza und Enkelin von Holocaust-Überlebenden. Bereits zweimal hat sie erfolgreich gegen Rassismus geklagt: 2022 gegen das Neumünsteraner Fitnessstudio Muskelkater sowie 2024 gegen das Neumünsteraner Hildebrandt’s Hotel.
Ende Juli 2026 schrieb Kelly Laubinger eine Immobilienfirma an, um eine ausgeschriebene Wohnung in Neumünster zu besichtigen. Nach ihrer Anfrage erhielt sie über den Google-Kalender der Immobilienfirma eine Einladung zur Wohnungsbesichtigung.
In diesem Kalendereintrag wurde unter anderem vermerkt:
„Kelly Laubinger | sie verdient glaub ich zu wenig und ist eine Roma/sinti - bin mir nicht sicher obs passt“
Die Mitarbeiterin erklärte Kelly Laubinger zuvor, dass ihre Interessensbekundung weitergeleitet werde, da sie selbst nicht über die Wohnungsvergabe entscheide. Bei weitergehendem Interesse sollten Bewerbungsunterlagen zugesandt werden, die anschließend auszufüllen seien. Erst danach sollte über die Vergabe der Wohnung entschieden werden.
50 Minuten nach der Wohnungsbesichtigung erhielt Kelly Laubinger jedoch über den Google-Kalender der Immobilienfirma eine weitere Benachrichtigung. Dort hieß es:
„Kelly Laubinger | sie verdient nur ** netto | ist eine Roma/sinti – interessiert sich für die günstige 2 Zi Whg (W05) | weiß nicht ob das passt“
Damit wurde ihre ethnische Zugehörigkeit ausdrücklich im Zusammenhang mit ihrer Bewerbung um die Wohnung festgehalten und mit einer Bewertung verbunden, ob sie „passt“. In der letzten E-Mail-Benachrichtigung des Google-Kalenders wurde außerdem ihr Nettoeinkommen um rund 16,54 % niedriger dargestellt. Eine weitere Benachrichtigung erhielt sie anschließend nicht.
Der Sinti-Verein findet es wichtig, solche Vorgänge sichtbar zu machen und klar zu benennen. Die Dokumentation zeigt, wie die Zugehörigkeit zu Sinti und Roma in einem alltäglichen Lebensbereich wie der Wohnungssuche zum Gegenstand einer Bewertung gemacht wurde.
Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft darf keinen Platz haben. Der Sinti-Verein steht für eine Gesellschaft, in der Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Identität oder ihrem Namen gleichbehandelt werden.
Unter folgendem Link ist mehr über den Vorfall zu lesen:
https://www.facebook.com/share/p/1LkyxAwvAk/
Bildungs- und Gedenkreise nach Auschwitz
Vom 30.08. bis zum 04.09.2026 fand eine besondere Bildungs- und Gedenkreise nach Auschwitz statt. Jung und Alt kamen zusammen, um gemeinsam zu erinnern, zu lernen und sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.
Die Reise war geprägt von bewegenden Eindrücken, vielen Gesprächen und einer starken Gemeinschaft. Besonders wertvoll war dabei der Austausch zwischen den Generationen und die Möglichkeit, gemeinsam Verantwortung für Erinnerung und Zukunft zu übernehmen.
Ein besonderer Dank gilt Donnito Rosenberg für die hervorragende Organisation und dem gesamten Team für die vorbildliche Begleitung dieser wichtigen Reise.
Kunstprojekt „RAT“ – Kunst, Musik und Begegnung
Der Sinti-Verein möchte auf das besondere Kunstprojekt „RAT“ der Sintezza und Künstlerin Concetta Dewús aufmerksam machen. Vom 22. bis 27. September 2026 wird in der ehemaligen Kirche Heilige Familie in Dortmund-Marten eine Woche voller Kunst, Begegnung und Musik stattfinden.
Im Mittelpunkt stehen Themen wie Leben, Liebe, Stärke, Hoffnung und Zusammenhalt. Ein besonderes Highlight ist das große Abschlusskonzert „SINTENGO RAT“ am 26. September um 19 Uhr mit Sinti-Musikern und Ensemble.
Der Sinti-Verein freut sich über dieses besondere Projekt und empfiehlt allen Interessierten, die Veranstaltung zu besuchen und selbst zu erleben.
Unsere bunten Herbstigel
Am 02.09.2026 wurde es in unserer MuKi-Gruppe wieder kreativ. Passend zur Herbstzeit gestalteten die Kinder ihre eigenen bunten Herbstigel.
Zuerst wurde Papier mit wunderschönen herbstlichen Farben bemalt. Anschließend schnitten die Kinder den Igelkörper aus und falteten das bemalte Papier zu einem Fächer, der anschließend als Stachelkleid auf den Igel geklebt wurde.
So entstanden viele einzigartige und farbenfrohe Herbstigel, bei denen jedes einzelne Kunstwerk ganz individuell geworden ist.

